Das PS-Stipendium 2017/2018

Andreas Reinisch ist Gewinner des PS-Stipendiums für das Studienjahr 2017/18. Die Fachjury hat sein Forschungsprojekt “Rekonstruktion der klonalen Evolution myeloischer Blutkrebserkrankungen mittels Genom-Editierung von humanen Blut-Stammzellen” als Siegerprojekt ermittelt.

Andreas Reinisch - PS-Stipendium

Rekonstruktion der klonalen Evolution myeloischer Blutkrebserkrankungen mittels Genom-Editierung von humanen Blut-Stammzellen

Projektinformationen:
Spontan auftretende Mutationen im Erbgut unserer blutbildenden Stammzellen können bösartigen Bluterkankungen, wie etwa die akute myeloische Leukämie (AML), verursachen. Im Regelfall akkumulieren diese Mutationen über einen längeren Zeitraum (Jahre bis Jahrzehnte). Die exakte Reihenfolge, in welcher die Mutationen auftreten, scheint bestimmten stereotypischen Mustern zu folgen. Diese Muster wurden in den letzten Jahren mittels neuartiger DNA-Analysemethoden genauestens entschlüsselt. Es konnte gezeigt werden, dass die initialen Veränderungen sehr häufig in Genen entstehen, welche epigenetische Regulationsmechanismen beeinflussen und zur Vermehrung der mutierten Zellpopulation führen. Interessanterweise sind solche leukämie-typischen Mutationen auch in Stammzellen gesunder Menschen nachweisbar und werden dann als „Clonal Hematopoiesis of Indeterminate Potential“ (CHIP) bezeichnet. Diese Veränderungen führen nicht automatisch zur Entstehung einer Leukämie. Jedoch haben Personen mit CHIP ein höheres Risiko später in ihrem Leben an Leukämie zu erkranken. Um die Entstehung von Leukämie verhindern zu können, ist es wichtig zu verstehen, welche genauen Funktionen von den mutierten Genen ausgeführt werden und welchen Beitrag sie zur Leukämieentstehung leisten.
CRISPR/Cas9 ist eine neuartige Technologie, die es erstmals ermöglicht, einzelne Gene im Erbgut von blutbildenden Stammzellen zu verändern. Mit Hilfe dieser Methodik können die selben Mutationen, welche Leukämie verursachen, gezielt in gesunde Zellen eingebracht und somit gezielt Krebserkrankungen und deren Entstehen im Labor nachgeahmt werden.
Ziel dieser Studie ist es, unterschiedliche leukämie-assoziierte Mutationen mittels CRISPR/Cas9 Technologie in gesunde menschliche Stammzellen einzubringen und danach zu analysieren, wie sich die Stammzellen funktionell verändern. Dadurch wollen wir neue Erkenntnisse über die exakten molekularen Mechanismen erlangen, welche für die Leukämieentstehung verantwortlich sind. Zusätzlich hoffen wir, durch diese innovative Methode neue therapeutische Ansatzpunkte für die Therapie von Leukämie und deren Vorläufererkrankungen zu finden.


Christoph Castellani
Andreas Reinisch

wurde 1981 in Voitsberg geboren, ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Seine wissenschaftliche Laufbahn begann bereits während des Studiums der Humanmedizin an der Medizinischen Universität in Graz, als er an der Abteilung für Hämatologie als wissenschaflticher Mitarbeiter tätig war. Nach Abschluss des Medizinstudiums 2006 setzte er seine wissenschaftliche Ausbildung fort und absolvierte das PhD Programm der Med Uni Graz, von dem er – als erster Absolvent – 2010 promovierte. Nach 2 Jahren Facharztausbildung zum Hämatologen unterbrach Dr. Reinisch seine klinische Tätigkeit und war von Dezember 2012 bis Juli 2017 als Wissenschaftler (Postdoc) an der Stanford University in Kalifornien beschäftigt. Zur Zeit ist Andreas Reinisch wieder an der Abteilung für Hämatologie der Med Uni Graz, wo er momentan seine eigene Forschungsgruppe etabliert und die Ausbildung zum Facharzt fortsetzt. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der molekularen Pathogenese von Leukämieerkrankungen. Zusätzlich arbeitet er an der Weiterentwicklung von Xenotransplantations-Mausmodellen und gentechnische Methoden zur besseren Erforschung von Bluterkrankungen.