Das PS-Stipendium 2019/2020

Julia Feichtinger bei der Preisübergabe durch MEFOgraz Obmann Prof. Dr. Herwig Holzer.

Julia Feichtinger bei der Preisübergabe durch den MEFOgraz Obmann

Effiziente Ex-Vivo-Evaluierung von kombinierten Immuntherapien beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom“

Die Immunevasion (Umgehung einer Abwehr/Erkennung durch das Immunsystem) ist ein typisches Merkmal von Krebserkrankungen und trägt in erheblichem Maße zur Entwicklung und zum Fortschreiten dieser malignen Erkrankungen bei. Fehlerhafte Signalwege über Immuncheckpoints (Rezeptoren auf Immunzellen) können die Immunzellaktivierung gegenüber Krebszellen unterdrücken und stellen somit eine wesentliche Strategie dar, die Krebszellen anwenden um dem Immunsystem zu entkommen. Die darauf basierende Immun- Checkpoint-Blockade (ICB) ist ein vielversprechender therapeutischer Ansatz, der nun auch in der Klinik auf eine Reihe von verschiedenen Krebsarten erfolgreich angewendet wird.



Leider liegt die Ansprechrate der ICB-basierten Therapie im Mittel nur bei ungefähr 20% – beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) sogar noch niedriger. Da Patienten mit derselben Diagnose aufgrund individueller genetischer und molekularer Faktoren unterschiedlich auf Therapien reagieren können, sind individualisierte Ansätze von größter Bedeutung. Dies zeigt die Notwendigkeit (1) die Ansprechbarkeit jedes Patienten vor der Therapieanwendung individuell zu bewerten sowie (2) alternative Checkpoint-Komponenten zu bestimmen und/oder eine Kombinationstherapie anzuwenden, um das Überleben der Patienten zu verbessern.
In diesem Projekt verwenden wir einen interdisziplinären Ansatz, der In-Vitro-Experimente, Next Generation Sequencing und Bioinformatikanalysen kombiniert. Ziel dieser Studie ist es, Immunevasionsprozesse in DLBCL zu untersuchen sowie alternative und kombinierte Therapieoptionen zu testen und zu bewerten. Unsere Studie könnte eine personalisierte Auswahl von Behandlungsoptionen für diesen Lymphomtyp vorantreiben und wichtige Überlegungen für die zukünftige Gestaltung neuartiger Krebsbehandlungen liefern. Eine gezieltere Auswahl der Krebstherapie bedeutet für die Patienten nicht nur höhere Erfolgsaussichten, sondern auch die Vermeidung von unnötigen Nebenwirkungen.


Julia Feichtinger
Julia Feichtinger

wurde 1983 in Graz geboren. Nach dem Abschluss ihrer beiden Studien in Technischer Chemie sowie in Angewandter Bioinformatik, absolvierte sie ihr Doktoratsstudium in Großbritannien auf dem Gebiet der Krebsforschung. Seit 2018 ist sie Universitätsassistentin am Lehrstuhl für Zellbiologie, Histologie und Embryologie (Gottfried Schatz Forschungszentrum) der Medizinischen Universität Graz.
Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der medizinischen Bioinformatik. Sie interessiert sich insbesondere für Hochdurchsatzanalysen von Transkriptom- und (Epi)Genomdaten um einen besseren Einblick in regulatorische Prozesse von Genen und deren Deregulierung in Erkrankungen zu bekommen. Vor allem die Identifizierung von Biomarkern trägt grundlegend zu der Entwicklung von neuartigen Krebstherapien und diagnostischen Anwendungen bei.