Das PS-Stipendium 2019/2020

Die Fachjury von MEFOgraz hat das Projekt „Rauchen in der Schwangerschaft“ von Olivia Nonn zum Siegerprojekt für das Studienjahr 2019/2020 erklärt.

PS-Stipendium 2019/2020 - Preisträgerin Olivia Nonn

Rauchen in der Schwangerschaft

Projektinformationen:
Rauchen in der Schwangerschaft birgt immense Risiken für Frauen und Kinder, wie etwa ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsverlust, Plazentalösung, vorzeitigen Blasensprung, vorzeitige Wehen und Frühgeburtlichkeit. Fünf bis acht Prozent der Frühgeburten, 13-19 Prozent der Kinder mit vorgeburtlicher Wachstumsverzögerung (intrauterinen Wachstumsretardierungen) und etwa 24 Prozent der Fälle von plötzlichem Kindstod werden mit Rauchen während der Schwangerschaft assoziiert. Aber nicht nur während der Schwangerschaft und Geburt wirkt sich das mütterliche Rauchen nachteilig aus, auch nach der Geburt gibt es bleibende Effekte auf die Kinder von Raucherinnen, wie Asthma, kindliches Übergewicht, verminderte schulische Leistungen. Kinder von rauchenden Müttern haben ein vierfach erhöhtes Risiko für Typ 2 Diabetes.

Trotz sinkenden Raucherraten haben 8% der Schwangeren Rauchen in der Schwangerschaft angegeben. Die Prävalenz von hoher (16,5%) und zusätzlich niedriger (7,5%) Rauchexposition in der Schwangerschaft steigt, wenn das Rauchen objektiv per Nikotin-Abbauprodukte (Cotinin) im mütterlichen Blut erhoben wird. Vor allem in der frühen Schwangerschaft, einer höchst vulnerablen Phase in der fötalen und plazentalen Entwicklung, ist die Anzahl der rauchenden Schwangeren höher als später in der Schwangerschaft (8,2 im Vergleich zu 6,6% per Befragung).
Die Plazenta als Schnittstelle zwischen Mutter und Kind und ihre Aufgaben zum Gas-, Nährstoff-, und Abbauprodukt-Austausch spielt hier eine zentrale Rolle. Pathologische Untersuchungen von Raucherplazenten ergaben strukturelle Unterschiede, genauso wie ein vermindertes Kapillarvolumen, das zu einem abnormalen Gasaustausch zwischen Mutter und Kind beiträgt. Unsere eigenen Daten deuten auf eine veränderte Genexpression von MMP1, einem gewebe-spaltenden Eiweiß, in Plazenten von Rauchern hin. Vorzeitiger Blasensprung und Plazentaablösung sind ebenfalls um das bis zu 3,5-fache in Rauchern erhöht.

Es ist unumstritten, dass Rauchen einen Einfluss auf die Schwangerschaft, die Plazenta und die fötale Entwicklung haben – die genauen pathophysiologischen Mechanismen sind bislang allerdings größtenteils ungeklärt. Neue Technologien auf Einzelzell-Ebene können einen Einblick in komplexe multifaktorielle Prozesse geben und komplizierte Zell-Zell-Kommunikation darstellen. In Kombination mit Daten aus klinischen Kohorten und experimentellen Ansätzen möchten wir die pathophysiologischen Mechanismen und Effekte von Rauchen in der frühen Schwangerschaft untersuchen.


Olivia Nonn
Olivia Nonn

wurde 1990 in Bruneck, Italien geboren und absolvierte ihr Medizinstudium an der Medizinischen Universität Graz, mit Stipendienaufenthalten u.A. an der University of Pennsylvania, Université Claude Bernard Lyon und University of Edinburgh. Seit 2017 arbeitet sie im Rahmen des PhD-Programms für Molekulare Medizin und des Doktoratsprogramms Inflammatory Disorders in Pregnancy bei Assoc.Prof. Dr. Martin Gauster an regulatorischen Mechanismen der Plazentaentwicklung, mit einem Schwerpunkt auf Rauchen als Ursache vieler pathophysiologischer Prozesse der Schwangerschaft in diesem frühen Entwicklungsfenster für zukünftige Gesundheit der Mutter und des Kindes. Als Marietta-Blau-Stipendiatin war sie 2019 als Gastforscherin bei Priv.Doz. Dr. Florian Herse am Experimental and Clinical Research Center tätig, einem gemeinsamen translational-klinischem Forschungszentrum des Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Forschung in der Helmholtz Gemeinschaft und der Charité Berlin.