Förderprojekt „Genetische und epigenetische Analysen der Clock-Gene“

Tickt die molekulare 24-Stunden Uhr in der Bipolaren Erkrankung anders?

Dieses Forschungsprojekt von Susanne Bengesser wird von MEFOgraz unterstützt.

Projektinformationen:

Die bipolare Störung (früher manisch-depressives Kranksein) ist eine Erkrankung, welche durch massive “Stimmungsschwankungen” gekennzeichnet ist. Hierbei gibt es während des gesamten Verlaufes der bipolaren Erkrankung Phasen extremer Hochstimmung (Euphorie), Episoden mit trauriger, depressiver Stimmung und Phasen mit ausgeglichener Stimmung (Euthymie). Die Euthymie kann hierbei Wochen, Monate bis hin zu Jahren dauern. Allerdings kann es plötzlich zu einer Manie oder Depression kommen. Während einer Manie zeigen Patienten plötzlich mind. eine Woche Euphorie, reduzierte Schlafdauer bis hin zur völligen Schlaflosigkeit, vermehrte Energie, Gedankenrasen, Logorrhoe (sehr schnelles und kaum unterbrechbares Sprechen), Ideenflucht (tausende oft unrealistische Ideen), gesteigertes Selbstbewusstsein bis hin zu Größenwahn, vermehrte zielgerichtete Aktivitäten, risikoreiches Verhalten, waghalsige Investitionen, vermehrtes Einkaufen, vermehrte Libido und enthemmtes, persönlichkeitsfremdes Verhalten. In der Depression zeigen bipolare Patienten genau das Gegenteil- sie sind traurig, gedrückt, hoffnungslos, interesselos, freudlos, appetitlos, schlaflos und antriebslos. Sowohl die Depression, als auch die Manie sind potentiell lebensbedrohlich, da es zum Selbstmordversuch und Suizid kommen kann. Sogar jeder fünfte manisch-depressive Patient führt einen Suizidversuch durch.
Warum es zu jenen plötzlichen „Switchs“, dem Umschalten zwischen den Stimmungslagen kommt ist noch nicht vollständig geklärt. Diese Studie soll unter anderem diese Gretchenfrage klären helfen.
Das letzte Glied der inneren molekularen 24-Stunden Uhr (nämlich ARNTL) aktiviert die Bildung des Enzyms Monoaminooxidase-A (MAOA). Die MAOA baut „Glücksbotenstoffe“, nämlich die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin ab und hat so einen direkten Einfluss auf die Balance der Botenstoffe und somit die Stimmungslage. Das Ablesen dieses wichtigen Clock-Gens (Uhrengens) ARNTL kann durch epigenetische Regulatoren beeinflusst werden. Durch Methylierung von bestimmten regulatorischen Elementen kann das Gen stillgelegt werden. In Folge entsteht weniger ARNTL und in weiterer Folge weniger MAOA und daher werden weniger „Glücksbotenstoffe“ abgebaut. Ein Überschuss an Serotonin, Dopamin und Noradrenalin kann somit über jenen Weg eine Manie triggern. Daher vermuten wir, dass bestimmte Genvarianten der Clock-Gene und auch die Methylierung von ARNTL, sowie Genexpression von ARNTL und MAOA bei der bipolaren Störung verändert sind. Ziel ist es in dieser Studie die Clock-Gene (insbesondere ARNTL) epigenetisch und genetisch zu untersuchen und das Mysterium des Stimmungsumschwungs genau zu erforschen. Möglicherweise können jene neuen Erkenntnisse über die molekulare circadiane Uhr neue Targets/Ziele für stimmungsstabilisierende Medikamente identifizieren und so den Verlauf und die Prognose der Erkrankung in den nächsten Jahrzehnten verbessern.


Susanne Bengesser
Susanne Bengesser

wurde 1983 in Linz geboren und absolvierte ihre Schulzeit an der VS Hart, sowie am Bundesrealgymnasium Traun (Matura mit Auszeichnung). Ab 2002 studierte sie an der MUG Humanmedizin im neuen Curriculum, sowie parallel dazu ab 2003 das Bakkalaureatstudium Molekularbiologie an der KF Universität Graz. Beide Studien schloss sie 2010 ab. Es folgten Anstellungen an der Univ.Klinik Ulm/Deutschland (dreimonatige Mitarbeit im Labor der iPS/ Induzierte pluripotente Stammzellen-Gruppe im Bereich ALS; erstes „Reinschnuppern“ in die Welt der Forschung), am LKH Rankweil (Assistenzärztin für Psychiatrie), sowie am KH der Elisabethinen in Linz. Seit April 2012 ist sie als Assistenzenzärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Univ.Klinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Graz angestellt. Susanne Bengesser studiert berufsbegleitend das Doktoratstudium der medizinischen Wissenschaften auf dem Bereich der Bipolaren Störung (Thematik Endoplasmatischer Retikulum Stress und Uhrengene) am Institut für Pathophysiologie und Klinik für Psychiatrie. Seit 2012 ist sie auch neben der täglichen Stationsarbeit in der Bipolar-Spezial-Ambulanz (www.bipolar-graz.at) und Bipolar-Forschungsgruppe tätig. Die junge Ärztin ist Co-Autorin des Buches „Essays im Spannungsbereich von Psychotraumatologie, Ästhetik und Wissenschaftstheorie“ und Autorin des Buches „Genetics of Bipolar Disorder“. Aktuell arbeitet sie am Projekt: „Tickt die molekulare 24-Stunden-Uhr in der Bipolaren Erkrankung anders?“, hierbei werden Uhrengene hinsichtlich Epigenetik, Genetik und Genexpression untersucht.